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Stillen tut weh: Was tun, wenn’s brennt?

Du setzt dein Baby an – und statt dieses warmen, ruhigen Gefühls schießt dir ein Schmerz durch die Brust, so dass du die Zehen krallst. Vielleicht lächelst du tapfer, vielleicht fließen Tränen. Und irgendwo im Hinterkopf lauert dieser Gedanke: „Wenn Stillen so weh tut, mache ich dann etwas falsch?“

Erstmal: Du bist nicht allein. Und nein – du musst da nicht „durch“. Stillen darf sich ungewohnt anfühlen, am Anfang auch empfindlich. Aber stechender, brennender oder anhaltender Schmerz ist ein Signal. Dein Körper sagt: Schau hin. Und genau das machen wir jetzt – ohne Druck, ohne Still-Perfektion, dafür mit konkreten Schritten.

Stillen tut weh – was tun als erstes?

Wenn du gerade mitten in einer schmerzhaften Stillphase bist, zählt nicht die perfekte Analyse, sondern schnelle Entlastung.

Nimm dir als Erstes die Erlaubnis, kurz zu stoppen. Löse das Vakuum, indem du einen sauberen Finger in den Mundwinkel deines Babys schiebst, dann erst abnehmen. Viele wunde Brustwarzen entstehen genau dann, wenn man aus Reflex „wegzieht“.

Danach: Wärme vor dem Stillen, Kälte danach. Ein warmer Waschlappen oder eine kurze Dusche vor dem Anlegen hilft dem Milchfluss. Nach dem Stillen kann ein kühles Gelkissen oder Quarkwickel Schwellung und Schmerz beruhigen.

Und ganz wichtig: Wenn du merkst, dass du dich beim Anlegen innerlich verkrampfst, atme bewusst aus, Schultern runter. Schmerz und Stress verstärken sich gegenseitig. Du brauchst jetzt nicht mehr Disziplin, sondern mehr Sanftheit.

Die häufigsten Ursachen – und woran du sie erkennst

Schmerz hat beim Stillen fast immer eine Ursache, oft sogar mehrere gleichzeitig. Hier sind die Klassiker – mit dem, was du zu Hause beobachten kannst.

1) Falsches Anlegen (der häufigste Grund)

Wenn Stillen vor allem beim Andocken weh tut, deine Brustwarze nach dem Stillen abgeflacht aussieht oder wie ein „Lippenstift“ schräg gequetscht wirkt, steckt sehr oft das Anlegen dahinter.

Ein gutes Zeichen ist: Dein Baby hat nicht nur die Brustwarze, sondern einen großen Teil des Warzenhofs im Mund, die Lippen sind nach außen gestülpt, das Kinn liegt an der Brust, die Nase ist frei oder berührt die Brust nur leicht. Du hörst Schlucken, nicht Klicken.

Was du sofort testen kannst: Bring das Baby zur Brust, nicht die Brust zum Baby. Bauch an Bauch, Ohr-Schulter-Hüfte in einer Linie. Warte auf einen richtig großen Mund – dann zügig andocken.

2) Wunde Brustwarzen und kleine Risse

Wenn es brennt, reibt oder du Blutspuren siehst, können winzige Risse (Rhagaden) dahinterstecken. Die tun oft schon beim ersten Saugzug weh und fühlen sich zwischen den Stillmahlzeiten wund an.

Hier helfen häufig zwei Dinge am meisten: Anlege-Optimierung und Wundpflege, die wirklich schützt. Nach dem Stillen ein paar Tropfen Muttermilch antrocknen lassen, dann eine dünne Schicht hochreines Lanolin. Luft dranlassen, BH nicht zu eng, Stilleinlagen häufig wechseln, damit es nicht feucht-warm bleibt.

Wenn du beim Stillen so starke Schmerzen hast, dass du dich verkrampfst und das Baby dadurch noch flacher trinkt, kann ein kurzfristiger Stillhütchen-Einsatz in Begleitung einer Stillberaterin sinnvoll sein. Es ist kein „Scheitern“, aber auch keine Dauerlösung – es kommt aufs Warum an.

3) Milchstau

Ein Milchstau fühlt sich oft an wie ein harter, druckempfindlicher Bereich in der Brust. Manchmal ist die Haut leicht gerötet, manchmal ist „nur“ dieser Knoten da. Stillen kann dann weh tun, weil das Gewebe gespannt ist.

Was hilft meist: Häufiger anlegen, mit Fokus auf Entleerung. Die Kinnspitze deines Babys zeigt idealerweise in Richtung der verhärteten Stelle (verschiedene Stillpositionen ausprobieren). Wärme und sanfte Massage vor dem Stillen, danach kühlen. Bitte nicht aggressiv „wegkneten“ – das kann Entzündung fördern.

4) Brustentzündung (Mastitis)

Wenn zu Schmerz und Rötung Fieber, Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl oder eine schnell zunehmende, heiße Stelle kommen, kann es eine Mastitis sein.

Dann gilt: zeitnah ärztlich abklären. Weiterstillen ist oft möglich und sogar hilfreich, aber du brauchst Unterstützung, manchmal auch ein Antibiotikum. Je früher du handelst, desto schneller kippt es nicht in einen wirklich schweren Verlauf.

5) Soor (Pilz) oder bakterielle Infektion

Ein typisches Soor-Zeichen: Brennender, stechender Schmerz, der auch nach dem Stillen anhält, manchmal bis tief in die Brust. Die Brustwarze kann glänzend, gerötet oder schuppig wirken. Beim Baby sieht man manchmal weiße Beläge im Mund oder einen hartnäckigen wunden Po – aber nicht immer.

Wichtig: Soor behandelt man bei Mutter und Kind gleichzeitig, sonst pingpongt es hin und her. Bitte nicht wochenlang „aussitzen“ – das zermürbt.

6) Vasospasmus (Durchblutungsproblem)

Wenn deine Brustwarze nach dem Stillen weiß wird, dann blau oder rot und das Ganze mit einem starken, krampfartigen Schmerz einhergeht, kann ein Vasospasmus dahinterstecken (oft begünstigt durch Kälte oder eine vorangegangene Verletzung der Brustwarze).

Wärme ist hier dein Freund. Direkt nach dem Stillen warm abdecken, Zugluft vermeiden. Auch hier lohnt sich eine fachliche Einschätzung, weil die Ursache oft wieder beim Anlegen startet.

Stillpositionen, die Schmerzen wirklich reduzieren können

Manchmal ist nicht „dein Körper das Problem“, sondern schlicht der Winkel. Eine andere Position kann sofort Entlastung bringen.

Die zurückgelehnte Haltung (Laid-back) ist für viele ein Gamechanger: Du lehnst dich bequem zurück, Baby liegt bäuchlings auf dir. Schwerkraft und Reflexe helfen, das Baby findet oft selbst einen tiefen Andockpunkt.

Auch die Seitenlage ist Gold wert – besonders nachts oder wenn du einfach Pause brauchst. Achte darauf, dass du nicht verdreht liegst. Kissen in Rücken und zwischen die Knie, Baby dicht zu dir.

Beim Wiegegriff lohnt sich oft eine Mini-Korrektur: Nicht „vorne halten“, sondern das Baby wirklich nah am Körper, Schulterblätter gestützt. Wenn du das Gefühl hast, dein Baby „zieht“ an der Brust, ist es meist zu weit weg.

Wenn der Schmerz beim Einschuss kommt

Der Milcheinschuss kann spannen, drücken, die Brust kann heiß und prall werden. Das ist nicht automatisch gefährlich, aber es kann sehr unangenehm sein.

Hier hilft häufig: vor dem Stillen kurz ausstreichen oder minimal abpumpen, damit der Warzenhof weicher wird und dein Baby besser andocken kann. Danach kühlen. Und ja – du darfst in diesen Tagen viel oben ohne sein, weil alles, was drückt und reibt, die Lage oft verschlimmert.

Wann du dir bitte Hilfe holst (und zwar ohne schlechtes Gewissen)

Es gibt Situationen, da ist „noch ein Tipp aus dem Internet“ zu wenig. Dann ist echte Begleitung die Abkürzung.

Hol dir Unterstützung, wenn du Fieber oder starkes Krankheitsgefühl hast, wenn der Schmerz nach 24-48 Stunden nicht besser wird, wenn du tiefe Risse oder Blutungen hast oder wenn dein Baby nicht gut zunimmt, sehr schläfrig wirkt oder extrem unruhig an der Brust ist.

Auch wenn du innerlich merkst: „Ich halte das so nicht mehr aus“ – ist das ein Grund. Nicht erst, wenn du am Limit bist.

Eine Stillberaterin (IBCLC oder eine gut ausgebildete Fachkraft) kann meist in kurzer Zeit sehen, was wirklich passiert: Zungenband, Saugtechnik, Position, Spannungen beim Baby, dein Milchfluss. Manchmal sind es zwei kleine Veränderungen – und plötzlich wird es deutlich leichter.

Der Teil, über den kaum jemand spricht: Schmerz macht Angst

Wenn Stillen wehtut, fängst du an, das nächste Stillen zu fürchten. Dein Körper spannt sich vorher an. Du bist „on edge“. Und dann fühlt sich jede Berührung doppelt so heftig an.

Deshalb gehört Selbstfürsorge hier nicht als Bonus ans Ende, sondern mitten rein. Stell dir einen großen Becher Wasser hin, iss etwas, bevor du stillst, wenn du dazu neigst, zu zittern. Leg ein Kissen so, dass du nicht deine ganze Haltung zusammenhältst. Und wenn du kannst: Lass dir für ein paar Tage alles abnehmen, was nicht überlebenswichtig ist. Das ist keine Schwäche, das ist Heilung.

Wenn du mehr von dieser ehrlichen, praktischen Begleitung suchst, findest du bei Herzmama.de viele alltagstaugliche Texte, die nicht so tun, als wäre Wochenbett ein Wellness-Retreat.

Stillen darf auch anders aussehen – und du bleibst eine gute Mutter

Manchmal zeigt sich trotz aller Anpassungen: Stillen ist gerade nicht schmerzfrei möglich. Vielleicht braucht deine Brust eine Pause. Vielleicht hilft Abpumpen für 24 Stunden, vielleicht teilweises Zufüttern, vielleicht ein sanfter Übergang zu einer anderen Lösung.

Bindung hängt nicht an Millilitern und nicht daran, wie „natürlich“ etwas wirkt. Bindung entsteht aus Feinfühligkeit: Du reagierst, tröstest, hältst, schaust hin. Stillen ist ein Weg. Nicht der einzige.

Du darfst gleichzeitig für dein Baby da sein und deinen Körper schützen. Und du darfst dir Hilfe holen, bevor aus Schmerz Erschöpfung wird. Dein Wohlbefinden ist keine Nebensache – es ist das Fundament, auf dem ihr beide gerade steht.